Völlig schwerelos! – Parabelflug mit Zero-G

Veröffentlicht: 14. April 2013 in Beiträge
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Einmal völlig losgelöst und schwerelos sein. Ohne Anziehungskraft durch den Raum schweben. Das einmalige Gefühl, das sonst nur Astronauten vorenthalten bleibt, können Normalsterbliche nur bei einem sogenannten Parabelflug erleben. Am 16. März 2013 durfte ich bei einem solchen Parabelflug dabei sein. Aber fangen wir vorne an…
Was genau ist ein Parabelflug? Im Internet findet man dazu folgende Informationen: Eine (im Innenraum) umgebaute Boeing 727 steigt zunächst, wie bei einem normalen Flug, auf knapp 7300m Höhe. Dann zieht der Pilot die Maschine in einem 45°-Winkel nach oben, bis auf eine Höhe von etwa 10300m, um dann das Flugzeug nach vorne kippen zu lassen, so dass es im freien Fall Richtung Boden fällt. Alles im Inneren des Flugzeugs ist dabei komplett schwerelos. Das Fallen dauert dabei ca. 20-30 Sekunden. Danach zieht der Pilot den Flieger wieder hoch und stabilisiert den Flug, bevor es in die nächste Parabel geht. Dies wird 12-15 mal wiederholt. Man kommt so auf eine Zeit von etwa fünf Minuten in absoluter Schwerelosigkeit!

Ich weiß gar nicht mehr wie genau die Idee entstanden ist, aber schon seit einigen Jahren ist es mein Traum gewesen einmal bei einem Parabelflug dabei zu sein. Die damaligen Recherchen im Internet zu einem solchen Flug ließen jedoch schnell Ernüchterung aufkommen: In Europa gibt es keinen kommerziellen Anbieter solcher Flüge. Lediglich in den USA ist es möglich bei einem solchen Event dabei zu sein. Mit dem Verdienst als Zivi bzw. Azubi ist ein Flug in die USA allerdings nicht finanzierbar gewesen. Geschweige denn der Parabelflug selbst. Damit rückte der Gedanke schnell wieder in den Hintergrund.
Dies blieb auch vorerst so. Bis zum Winter 2012. Zu dritt planten wir unsere Tour nach Nordamerika. Die Flüge und einige Hotels waren bereits gebucht, der Zeitplan damit fix. Bei den Überlegungen, was man denn auf der Reise alles erleben will, erinnerte ich mich an den Parabelflug. Aus Interesse suchte ich bei Google nach Anbietern, um mich über den Preis und die Zeitpläne zu informieren. Recht schnell stieß ich auf die „Zero G Corporation“. Ich warf einen Blick auf die Homepage (www.gozerog.com) und war überrascht als ich die geplanten Flüge sah: March 16 – Miami (FLL). Ich schaute nochmal schnell in unseren Zeitplan der Reise: Landung in Miami: 15. März; Weiterflug nach Cancun: 18. März. Sollte es wirklich so perfekt passen? Zeitlich auf jeden Fall. Der Blick auf den dafür verlangten Preis ließ mich dann doch noch zögern: $5200. Selbst bei gutem Wechselkurs ist das eine Menge Geld. Es waren noch viele der 36 Plätze im Flieger frei, daher ließ ich mir ein wenig Bedenkzeit.
In den nächsten Tagen sprach ich mit Familie und Freunden, um mir weitere Meinungen zu meinem Vorhaben einzuholen. Der letztlich vorherschende Tenor war dabei, dass ich es machen sollte. Wer eine solche Gelegenheit hat sich einen Lebenstraum zu erfüllen, der sollte diese auch nutzen. Ich las mir nochmal die AGBs genau durch und prüfte immer mal wieder wie viele Plätze im Flieger bereits belegt waren. Zero-G behielt sich natürlich vor den Flug bei zu geringer Beteiligung zu streichen bzw. zu verschieben. Bei unserem engen Zeitplan wäre jede Änderung am Flugplan allerdings absolut kritisch gewesen. Nach kurzem Mail-Austausch wurde mir jedoch versichert, dass bereits genug Bestätigungen eingegangen waren und der Flug auf jeden Fall stattfindet. Da die freien Plätze immer weniger wurden entschloss ich mich endlich dazu den Flug ebenfalls zu buchen. Damit stand es fest: Der 16. März 2013 sollte der Tag sein, an dem ich zum Zeronauten werde.
Die restliche Zeit bis zum Urlaub verbrachte ich mit der weiteren Planung desselbigen und schaute mir zusätzlich immer mal wieder youtube-Videos an, was mich denn bei so einem Flug erwartet. Nach langem Warten wars dann endlich so weit und die Reise nach Miami stand vor der Tür. Natürlich kann sowas nie problemlos ablaufen. Einen Tag vor dem Abflug erfuhren wir, dass die Sicherheitskräfte am Düsseldorfer Flughafen zum Streik aufriefen. Da dies bereits einige Tage vorher der Fall war und etliche Flüge deswegen ausfielen machte ich mir dementsprechend Gedanken was mit unserem Flug passieren würde. Eine Verspätung wäre ja noch akzeptabel, sollte der Flug jedoch ausfallen und erst am nächsten Tag gehen, könnte ich den Parabelflug vergessen. Nach viel Aufregung und verfrühtem Anreisen am Flughafen ging dann aber doch alles glatt und der Flieger nach Miami startete einigermaßen pünktlich. Der weitere Tag verlief auch nach Plan. Wir landeten in Miami, holten den Mietwagen ab, checkten im Hotel ein, schauten uns ein wenig in der Stadt um und gingen recht früh ins Bett, denn am nächsten Tag wartete ja bereits das große Ereignis.
Und dann endlich war der Tag gekommen. Der Treffpunkt in Ft. Lauderdale, wo der Flug stattfinden sollte, war bereits um 8:30 Uhr. Dementsprechen früh mussten wir raus, da wir noch eine gute Stunde Autofahrt vor uns hatten. Überpünktlich kamen wir dann am Hotel-Treffpunkt an. Da die Anmeldung jedoch noch nicht geöffnet war, drehten wir noch eine kleine Runde mit dem Auto und machten eine nahgelegene Sports & Grill-Bar als Treffpunkt für den Nachmittag aus. Wieder zurück am Treffpunkt konnte ich mit anmelden und die anderen beiden machten sich auf zum Baseball-Spiel.
Nach der Anmeldung wurde ich in einen Raum geschickt, wo einige andere Teilnehmer schon warteten. Mir wurde erklärt wie der weitere Ablauf aussieht und ich durfte schon mal meinen Flight-Suit anziehen. Bis zum eigentlich Start konnten wir uns am Frühstücks-Buffet bedienen. Es gab ein paar Croissants und weiteres Gebäck, das nicht schwer im Magen liegt. Scheint bei einigen trotzdem nicht so viel gebracht zu haben, aber dazu später mehr. Gegen 9 Uhr wurden wir dann alle wieder in den Raum gebeten, wo es eine kurze Begrüßung gab und uns ein Video gezeigt wurde was uns erwartet: Aufteilung in kleine Gruppen à 12 Personen, eine Sicherheitskontrolle am Hotel, Bus-Transfer zum Flughafen, Einstieg in das Flugzeug, ca. 30 Minuten Flug bis zum Luftkorridor in dem die Parabeln geflogen werden. Dann zunächst eine Parabel mit Mars-Anziehungskraft (ca. 1/3G), zwei mit Mond-Anziehungskraft (ca. 1/6G) und eine weitere mit kompletter Schwerelosigkeit (Zero G). Danach folgen weitere drei Durchgänge mit 3-4 Parabeln, so dass man am Ende 15 Parabeln geflogen ist. Schließlich gehts zurück zum Flugplatz und wieder zum Hotel.
Voller Vorfreude ging es also zunächst in die Gruppen, wo es nochmal eine Begrüßung von den jeweiligen Gruppen-Begleitern gab. Wir wurden gebeten uns kurz vorzustellen und warum wir den Parabelflug machen wollen. Neben mir gab es noch neun weitere Teilnehmer in der Gruppe, die aus den verschiedensten Nationen kamen. Mit dabei war eine drei-köpfige Familie aus Kansas, ein Brasilianer, ein Engländer, ein Paar aus Frankreich und ein junger Mann aus Asien, zusammen mit seiner Mutter. Die beiden letztgenannten bekamen den Flug von ihrem Arbeitgeber, einer recht großen Bank, bezahlt – hab wohl doch den falschen Arbeitgeber gewählt 😉 Danach gings endlich nach draußen, wo bereits zwei Kontrolleure auf uns warteten. Jeder wurde einer klassischen Flughafen-Kontrolle unterzogen. Immerhin ging es gleich in den US-Luftraum, da dürfen solche Kontrollen natürlich nicht fehlen. Alle, die durch die Kontrolle durch waren durften dann schon mal im Bus warten und sobald alle fertig waren gings auch schon los Richtung Flughafen. Diesen erreichten wir nach einer guten halben Stunde und stiegen direkt beim Flieger aus. Dort wurden noch einige Gruppen- und Einzelfotos gemacht, bevor es dann endlich zu Boarding ging.

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Wir betraten das Flugzeug durch das Heck und konnten schon mal einen ersten Blick auf unsere spätere „Spielwiese“ werfen. Im Flugzeug gab es nur im hinteren Teil sechs Sitzreihen für die Teilnehmer. Der restliche Teil bis zum Cockpit war komplett leer geräumt, in drei Sektoren unterteilt und komplett ausgepolstert. Dort sollten wir später die Schwerelosigkeit erleben.

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Wir nahmen also unsere Plätze ein und warteten auf den Start. Da wir nicht viele Passagiere hatten, ging alles recht flott und wir hoben ab. Nach einer obligatorischen, aber dennoch recht witzigen Sicherheitseinweisung wurden noch ein paar Minzbonbons verteilt und kurze Zeit später befanden wir uns auf Reisehöhe. Wir durften uns abschnallen und in die vorher festgelegten Sektoren verteilen. Es gab letzte Instruktionen, wie wir uns zu verhalten haben, um keine Übelkeit aufkommen zu lassen: Wenn es nach oben geht, sollte man sich möglichst auf den Rücken legen und einen fixen Punkt an der Decke suchen. Wenn nämlich der Gleichgewichtssinn und die Augen kontroverse Signale liefern, bekommt der Magen das eindeutige Signal sich zu entleeren. Wenn mans richtig macht sieht das dann so aus:

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Wir starteten wie geplant mit einer Parabel mit Mars-Anziehungskraft. Allein dieses Gefühl war schon sehr witzig und spontanes Lachen war von allen Seiten zu hören. Man konnte sich mit Leichtigkeit durch das Flugzeug bewegen, doch nach kurzer Zeit bekamen wir das Signal „Feet down, coming out!“. Das lies uns wissen, dass die Parabel beendet ist und die Schwerkraft gleich wieder voll einsetzt. Bei den kommenden beiden Parabeln herrschte Mond-Anziehungskraft und das machte noch mehr Spaß. Liegestützen wurden zur leichtesten Übung und ein paar Neil-Armstrong-Gedächtnis-Sprünge durften natürlich auch nicht fehlen.

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Als nächstes stand dann die erste Parabel mit absoluter Schwerelosigkeit an. Die Vorfreunde war sehr groß und das Grinsen wollte mein Gesicht nicht mehr verlassen. Als das Flugzeug vorne über kippte hoben wir alle langsam vom Boden ab. Ab diesem Zeitpunkt gab es kein oben und unten mehr. Man konnte völlig frei durch den Raum schweben, sich drehen, sich an einer Wand abstoßen und erst an der anderen Seite wieder zum Stillstand kommen. Einfach überragend! Das Gefühl dabei ist absolut unbeschreiblich. Man fühlt sich frei und grenzenlos. Leider ist so eine Parabel relativ kurz und nach einer knappen halben Minute ist der Spaß (vorerst) vorbei.

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Es folgten noch weitere Parabeln, bei denen wir unter anderem versuchten kleine Süßigkeiten oder Wasser mit dem Mund zu fangen. Das ist allerdings gar nicht so einfach, wie man sich das vorstellen mag. Nur wenige Versuche waren auch wirklich erfolgreich. Witzig war allerdings, wie man dann am Ende der Parabel schon mal nass wurde, weil in dem Moment, wo die Schwerkraft wieder einsetzte, Wasser über schwebte. Kurz vor Schluss versuchten wir noch ein „Superman-Foto“ zu schießen. Es blieb allerdings eher bei einem Versuch, da wir recht schnell in einem unkontrollierten Knubbel endeten. Lustig wars jedoch auf alle Fälle.

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Weniger lustig wars für die Teilnehmer, denen im Verlauf des Fluges schlecht wurde. Schon nach wenigen Parabeln verabschiedeten sich die asiatischen Mitflieger zu den Sitzplätzen und füllten die ein oder andere Kotztüte. Da es mir jedoch durchgehend gut ging, fand ich das gar nicht so schlimm, da in unserem Sektor somit noch mehr Platz war 🙂 Kurz vor Schluss begaben sich dann auch noch zwei weitere amerikanische Kollegen vorzeitig zu ihren Sitzplätzen. Mit insgesamt fünf sich übergebenden Leuten lag die Quote der betroffenen recht hoch. Zum Glück war bei mir jedoch alles im Lot.
Nach den 15 Parabeln begaben wir uns dann alle wieder zurück auf unsere Plätze. Zu gerne wäre ich noch weitere Parabeln geflogen und hätte dieses Gefühl immer wieder erlebt. Allerdings gings nun wieder zurück zum Flughafen. Wir landeten sicher und stiegen einzeln aus dem Flugzeug aus, denn unten gab es noch ein schnelles Foto mit dem Coach und das Namensschild wurde umgedreht. Dies klebte anfangs bei den Teilnehmern, die zum ersten mal dabei sind falsch herum am Anzug.

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Nach erneuter halbstündiger Fahrt kamen wir wieder am Hotel an. Dort erwartete uns noch ein leckerer Snack, bestehend aus Sandwiches, die man selbst belegen konnte, Salat und leckerem Nachtisch. Wir tauschten uns noch untereinander aus und als ich von meinem weiteren bevorstehenden Trip erzählte bekam ich noch einige interessante Tipps, was ich denn in den Städten auf jeden Fall noch sehen müsste.
Abschließend bekamen wir alle noch ein Zertifikat mit einem Foto und damit endete der für mich wohl aufregenste Vormittag meines Lebens. Überglücklich begab ich mich zu dem ausgemachten Treffpunkt und gönnte mir erstmal ein Bier, um die Zeit bis zum Eintreffen von Tim und Timo zu überbrücken. Während ich schwerelos durch ein Flugzeug schwebte, holten die beiden sich eher einen Sonnenbrand beim Baseball gucken. Ich kann damit jedenfalls nun einen großen Punkt von meiner Lebens-ToDo-Liste streichen. Wiederholen würde ich es allerdings auch auf jeden Fall, wenn sich mal die entsprechende Gelegenheit bieten sollte und der Preis im Rahmen liegt. Empfehlenswert ist es absolut!

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Ein Video von dem Flug gibt es auch und das gibt es hier zu sehen:

Hier klicken!

Beste Grüße
Thomas

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Kommentare
  1. Oma und Opa sagt:

    Lieber Thomas- ein schöner Urlaub! es freut mich, dass du so ein tolles Erlebnis hattest. Ihr alle Drei -eine super Truppe!!! Das Erlebnis riesen groß !!! wir lieben dich Oma und Opa

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